Mittwoch, 12. Oktober 2016
Sonntag, 18. September 2016
Summer is over
Es scheint immer deutlicher, dass sich das Klima gegenüber unserem Kalender verschiebt. Anfang Juni war es noch regnerisch und kühl und nun konnte man bis Mitte September bei herrlichem Sommerwetter noch baden. Erst Mitte letzter Woche kam ein Wetterumschwung und die Temperaturen wurden "normal" herbstlich. Es waren gute zwei Sommermonate mit vielen tollen Rikschafahrten und es hat richtig Spass gemacht. Das Foto stammt vom letzten Freitag, als wir mit 4 Rikschas eine Hochzeitsfahrt mit Apéro anstehen hatten. Während der Trauung konnten wir den Apéro vorbereiten und noch ein paar Fotos schiessen.
Am Samstag hatte ich dann eine Hochzeitsfahrt vom Hirzel nach Horgen. Wenn immer möglich versuche ich die Hochzeitsfahrten ohne Transporter, aus reiner Muskelkraft durchzuführen, auch wenn das dann halt mehr als zwei Stunden Anfahrts- und Rückweg bedeutet. Zu dieser Jahreszeit bin ich gut in Form, die vielen Sommerfahrten haben dazu beigetragen, und alles Geld welches ich nicht für Dritte (wie Transporter-Miete) ausgebe, kann ich in die eigene Tasche stecken. Was ich ja durchaus gebrauchen kann. Ich mache solche Fahrten gerne, da ich dabei einmal etwas anderes als die Stadt Zürich sehe. Es ist wie eine kleine Radreise, auch wenn die Rikscha 95 Kilo wiegt und nicht 13, wie z.B. das KISH. Hoch auf den Hirzel musste ich etwas über 300 Höhenmeter überwinden und da floss der Schweiss dann doch ziemlich. Aber es hat sich gelohnt. Eine tolle Strecke, ein schönes Hochzeit, zufriedene Gäste und eine gute Bezahlung. Alles perfekt.
Bis zu den (mittlerweile doch ersehnten) Ferien geht es jetzt noch knapp 2 Monate. Von Woche zu Woche nehmen die Buchungen langsam ab und es gilt wieder Knielinge, Langarmtrikot und lange Hosen aus dem Schrank zu holen. Meine mittlerweile fünfte Saison als Rikschafahrer neigt sich dem Ende entgegen. Ein schwieriges Jahr, auch wenn es für eine Bilanz natürlich noch viel zu früh ist.
In mir stellt sich ein rundes, gutes Gefühl ein. Ich bin so langsam angekommen. Die Bürozeiten liegen weit hinter mir und ein weitgehend selbstbestimmtes und kontemplatives Leben hat Einzug gehalten. Ich bin ruhiger, bescheidener und zufriedener geworden. Natürlich läuft nicht immer alles so wie man es sich wünscht, doch das echte Leben ist halt kein Wunschkonzert. Man wird immer mit irgendwelchen Problemen konfrontiert, doch "meine" Probleme sind kleiner geworden. Oder sie tangieren mich nicht mehr so sehr wie früher. Das ist gut so.
Montag, 15. August 2016
Streetparade 2016
Letzten Samstag fand die 25. Streetparade in Zürich statt und wieder strömten an die 900'000 Besucher ans Zürcher Seebecken um abzutanzen und zu feiern. Erfahrungsgemäss ist das einer der umsatzstärksten Tage/Nächte des Jahres. Diesmal bin ich um 12:30 Uhr gestartet und habe anfangs viele kleine/günstige Fahrten hin zum See gemacht. Während der Parade war es dann etwas ruhiger und ab 22:00 Uhr begann dann der grosse Rückzug und viele (nicht mehr ganz nüchterne) Menschen wollten zurück oder an anderen Orten weiterfeiern. Potential war also genügend vorhanden.
Ungünstigerweise war ich mental nicht so gut drauf. Ich war nicht hochmotiviert und die leicht agressive Stimmung machte mir auch zu schaffen. Dazu kamen die sehr vielen Scherben auf den Strassen, so dass man immer aufpassen musste um nicht gleich einen Plattfuss einzufangen.Es war ganz einfach Arbeit, für mich jedoch nur in sehr geringem Masse Vergnügen.
Eigentlich wollte ich bis morgens um 2:00 Uhr durchhalten, doch ich war schon ziemlich bald müde uns ausgelaugt. Diese Massen fordern mental ganz gewaltig. Als ich dann um 01:00 Uhr ein Fahrt bis in die Nähe der Garage hatte, strich ich die Segel. Ich hatte gegen 75km auf dem Tacho und meine Akkubeleuchtung machte auch langsam schlapp. Eine willkommene Ausrede um aufzuhören.
Zuhause machte ich dann Kassensturz und war mit dem Ergebnis soweit zufrieden. Mein gestecktes Mindestziel habe ich erreicht, mehr aber auch nicht. Der Umsatz war schwächer wie 2015, doch letztes Jahr lief es ja generell besser und dies war auch auch an der Streetparade so. Für nächstes Jahr muss ich mir vornehmen, dass ich später loslege, da die beste Verdienstzeit erst nach 18:00 Uhr losgeht und man aber noch weit bis in die frühen Morgenstunden Fahrgäste findet. Mit steigendem Alkoholpegel werden die Gäste auch spendabler und somit verdient man besser.
Während des Abends dachte ich aber auch, dass ich ganz einfach langsam zu alt werde für diesen Partystress. Ich mag die grölenden, tobenden und neben sich stehenden Menschen einfach nicht mehr wirklich ertragen. Ich finde das nur wenig lustig... tja, man wird nicht jünger...
Freitag, 5. August 2016
furchtbare Weltpolitik
Es sind düstere Zeiten, wenn Amerika zwischen Trump und Clinton wählen muss. Eigentlich ist es unglaublich. Donald Trump mag vielleicht ein gewiefter Geschäftsmann sein, doch von grösseren Zusammenhängen hat er nicht die blasseste Ahnung. Seine laxen Aussagen zum Einsatz nuklearer Waffen lassen einen erschrecken. Auch die Ideen zu Mexiko, dem nahen Osten oder zu Russland sind einfach hahnebüchern. Undurchführbar. Oder dann, mit Millionen von Toten.
Da lobe ich mir Angela Merkel! Sie ist DIE EINZIGE die erkannt hat, dass wir ALLE einfach Menschen sind. Der Weg zu einer menschlicheren Zukunft wird nicht durch Ausgrenzung und Teilung gefunden, sondern durch Willkommen heissen und feiern!
Um grosse Menschenströme zu verhindern müssen wir Frieden und Freiheit erschaffen, nicht Tod und Zerstörung. Das heisst, die Rüstungsindustrie würde am besten weltweit eingestellt und all die genialen Ingenieure und Techniker würden alternative Energiequellen erforschen oder lokal angepasste Nahrungsmittelproduktionen verbessern. Das würde wirklich helfen!
Die Rüstungsindustrie ist REIN Geld getrieben. Alle produzieren und verkaufen Waffen nur, weil sie damit Geld verdienen. Hunderte von Milliarden Doller! Jedes Jahr, weltweit! Ein unglaubliches Potential! Dieses sollte man positiv nutzen können!
Die Menschenheit und deren Führung, also die Weltpolitik, die "Führer der X wichtigsten Nationen" sollte sich doch Friede, Freiheit und Prosperität wünschen. Das funktioniert aber nur, wenn wir uns als EINHEIT und nicht als VIELHEIT (Wir und die Anderen) verstehen. Das ist der einzige und auch einfachste Weg. Alle Fähigkeiten Zusammenführen und nicht diese auseinander zu dividieren! So würde es viel besser gehen!
Alles pure Theorie! Was ist denn da in Wirklichkeit los?
Aus jeder Ecke springt ein TEILER! Ein armer Mensch mit Verlustängsten, der Seinesgleichen hinter sich schart, der Grenzen und Mauern fordert, WIR sind die Guten und die ANDEREN sind die Bösen! Dass der Text in englisch und nicht in deutsch erschien, kommt einem Witz gleich. Die hetzen gegen Ausländer, sprechen aber ausländisch... die haben wirklich gar nichts verstanden...
"Schwerter zu Pflugscharen" mehr denn je! -> beendet die Kriege und die Migrationsströme werden versiegen! Der Austausch und Handel würde aufblühen und neue Perspektiven erschaffen. Es ist eigentlich eine einfache Entscheidung: Will ich Krieg, Zerstörung und Verderben oder will ich das nicht? Wenn ich das nicht will, dann brauche ich auch keine Rüstungsindustrie und keine Armee mehr. Ein Netz aus Polizei und Sicherheitskräften um "Recht und Ordnung" durchzusetzen, sollte reichen.
Mir scheint es auch immer wichtiger, dass wir über den aktuell existierenden Kapitalismus hinweg kommen. Geld ist das goldene Kalb, dem alle hinterher jagen. Man schmückt sich mit schönen Kleidern, teuren Autos und vornehmen Häusern. Man ist immer mit Geld beschäftigt und rennt ihm immer irgendwie hinterher. Das ist voll das Hamsterad! Mit tausend Tricks werden wir bei Laune gehalten, damit wir zielstrebig vorwärts springen um dann doch nie am Ziel anzukommen. Die heutige Kapitalverteilung muss neu geregelt werden. Wenn wirklich 10% der Bevölkerung mehr als 90% des gesamten Kapitals besitzt, dann läuft etwas falsch. Dann muss ein neues Wertesystem her, das nicht nur zählbar/teilbar/monetär ist. Aber wie das aussehen und funktionieren soll, das weiss wohl noch kein Mensch.
Man könnte den nicht bewertbaren Teil jedes Menschen stetig verbessern. Kapitalismus nur noch für Fortgeschrittene. Man versucht regional den minimalen Lebensstandard so hoch wie möglich zu halten. Durch z.B. Recht auf Schutz (Bett/Hütte/Haus), Recht auf Nahrung, Recht auf medizinische Notfall-Versorgung, Recht auf Bildung, Recht auf freien Medienzugang, etc. Der einfachste Bürger sollte sich nicht prostituieren müssen, nur um zu überleben. Es soll kein Anreiz für Diebstahl oder Gaunereien gegeben werden. Jeder Mensch soll sich aus freier Entscheidung, nach seinen eigenen Fähigkeiten, einbringen und entwickeln dürfen. Natürlich gibt es auch dann weiterhin Gewinner und Verlierer, doch auf einem ganz anderen Niveau. Solange die Weltbevölkerung wächst, würde auch die Wirtschaft wachsen. Auch wenn die Welt an sich nicht wächst, denn wir sind noch lange nicht zu viel. Es gibt noch viel Platz und Potential auf dieser Erde. Da kann auch der Mars noch etwas warten...
es WÄRE so vieles möglich, doch die Weltpolitik ist so furchtbar von gestern...
Montag, 1. August 2016
Die beste Zeit
Endlich ist Sommer, Hochsaison und Vollbetrieb! SUPER! Das ist die beste Zeit des Jahres! Am liebsten mag ich vier gebuchte Rundfahrten pro Tag mit ausreichend Pause dazwischen. So macht die Arbeit als Rikschafahrer richtig Spass! kurz/kurz mit Sonnenbrille, zwischen 24 und 28° Grad warm. Ideal!
Im Juli bin ich von 31 Tagen an 28 unterwegs gewesen. An drei Sonntagen blieb ich zuhause, sonst war ich jeden Tag (zumindest für kurze Zeit) auf der Rikscha und am arbeiten. Es war ein guter Monat. Und trotzdem: Auch der Juli 2016 war wirtschaftlich schlechter, als der Juli 2015. So wie jeder Monat dieses Jahr auch schon. An allen Fronten kommt weniger rein dieses Jahr und das ist natürlich nicht wirklich lustig. Da muss man -im wahrsten Sinne des Wortes- ganz kräftig strampeln!
Kein Widerstand leisten! Akzeptieren und sofort wieder in den aktuellen Moment kommen! Ich bin fit und freue mich an diesen Sommertagen. Jetzt gilt es durchzuziehen und jeden schönen Tag mitzunehmen und zu geniessen!
Freitag, 29. Juli 2016
wie ein Eichhörnchen
Im Sommer muss ich meine Nüsse sammeln, damit ich den Winter überstehe. Jetzt heisst es sehr viel fahren, wenig freie Tage, viel Enternainment und dauernd Einsatz geben. Dafür gilt es gesund zu bleiben, damit ich es auch wirklich umsetzen kann. Erst dann sind die Nüsse im Trockenen!
30° Grad in der Stadt sind heiss. Dazu ein beleibtes Ehepaar im Fond, macht total schnell mal 350kg die bewegt werden müssen. Da treibt mir jede Bodenwelle den Schweiss auf die Stirn! Und dennoch ist es die beste Zeit im Jahr! Zürich lebt im Sommer draussen. Die Plätze sind belebt, viele Menschen bewegen sich und daraus entstehen viele Chancen für die nächste bezahlte Fahrt.
A propos anstrengend: Nein, ich werde keine Elektrounterstützung anbauen. Solange ich körperlich fit bin, geht es auch ohne. Und wo keine Technik ist, kann auch keine Technik versagen. Vielleicht in ein paar Jahren? Keine Ahnung. Derzeit ist es "aus Prinzip" kein Thema.
Aktuell verkaufe ich menschliche Momente und Erlebnisse. Ich gebe mich förmlich mit Leib und Seele hin und geniesse jede der vielen Stadtrundfahrten. Zürich im Sommer ist einfach ein Traum! Die superschöne und gepflegte Stadt am See hat Lebensqualität ohne Ende! Zürich ist im Hochsommer einfach ein Stück heile Welt. Da verfliegt auch schnell der Ärger über Terror und Amok auf der Welt oder über die vielen Baustellen und Container im Stadtzentrum. ZURICH IS FANTASTIC! das höre ich oft - und es stimmt auch wirklich!
Mein "Können" liegt in der Kombination aus körperlicher Anstrengung und "Geschichten erzählen". Ich muss die Belastung über weite Strecken so tief halten, dass ich noch ruckfrei sprechen kann. Hier hilft Erfahrung aus vielen vorhergegangenen Tagen und Touren. Man lernt, wo Pausen wichtig sind, wo mal gut stillstehen und etwas durchatmen kann.
Mein Ehrgeiz liegt beim Trinkgeld für eine Tour. Da will ich immer das Maximum und dafür versuche ich dem Kunden zu gefallen und ihm eine extra-super-speziell-gute Tour zu verpassen. Ein nettes Trinkeld kann immer winken! Das höchste Trinkgeld für eine Stadtrundfahrt war einmal Fr.50.00! Hammer! Mehrfach, aber immer noch selten sind Fr. 40.00 oder 30.00. Die "Mittelstand-Grosszügigen" geben Fr. 20.00, was ich schon richtig gut finde. Viele geben auch Fr. 10.00. Das finde ich nett und ansprechend. Von 4 Fahrten kann ich aus Erfahrung von etwa 3x Trinkgeld ausgehen. Die vierten bedanken sich ganz herzlich und das ist auch völlig o.k. Niemand muss Trinkgeld geben! Der Fahrpreis ist grundsätzlich Einkommen genug. Meist führe ich das Trinkgeld genau dem dafür angedachten Verwendungszweck zu und kaufe mir Getränke und Zwischenverpflegung. Dadurch sind dann die Zahlen der Tour-Verkäufe fast 1:1 zum Verdienst. Das hilft dann schon.
Mittwoch, 13. Juli 2016
es ist, wie es ist
Wieder einmal regnet es draussen und ich sitze zuhause vor dem PC statt in der Stadt auf der Rikscha. Dieses Jahr meint es Petrus wirklich nicht gut mit uns Rikschafahrern. Das Wetter ist schon das ganze Jahr sehr wechselhaft, mit aussergewöhnlich vielen Regentagen und schnell wechselnden Temperaturveränderungen. So war es am Sonntag noch fast 30° Grad und heute wird es nicht mal mehr 20° Grad geben. Ein dauerndes auf und ab, was zu Buchungen, Verschiebungen und Absagen führt. Ich glaube dieses Jahr hatte ich schon mehr Absagen als in den vier Jahren zuvor. Ziemlich mühsam.
Ich bin nicht so der Jammeri und versuche, auch in misslichen Situationen das Positive zu sehen. So gefällt mir, dass ich gestern die Buchhaltung für das erste halbe Jahr aktualisieren konnte und dadurch die Mehrwertsteuerabrechnung auch gleich erledigen konnte. Administrativ bin ich also up to date.
Natürlich hätte ich einiges gerne anders und dieses Jahr läuft wirklich nicht wie geplant, doch wie der Titel schon sagt: Es ist, wie es ist! Und das ist gut so. Ganz einfach deshalb, weil es so ist. Es gibt keine andere Wirklichkeit und es nutzt nichts, gegen diese Wirklichkeit anzukämpfen. Es ist ein dauerndes Lernfeld und da gilt es offen und unvoreingenommen zu bleiben. Das hat rein gar nichts persönliches. Würde ich mich aufregen, würde ich blos unnötig Energie verschwenden und mich von der Wirklichkeit ablenken. Nein! Es ist gut so! Ich lerne Guduld, Beständigkeit, Akzeptanz und seien wir ehrlich: auch Regentage haben etwas Schönes und Erhabenes!
Genug philosophiert. Nachfolgend noch ein paar Erzählungen aus der nahen Vergangenheit.
Da ist zum einen das "Zürich Fäscht 2016" zu erwähnen. Vom Freitag 1. bis Sonntag 3. Juli. Freitag und Sonntag war das Wetter schön und warm und am Samstag regnerisch und kühl. Am Freitag begann mein Arbeitstag mit einer Hochzeitsfahrt in Erlenbach und nach der Rückfahrt rüstete ich mich für die zunehmenden Festbesucher. Ganz generell gilt: Zürich-Fäscht und Streetparade sind unsere umsatzstärksten Tage, da muss man fit sein und lange durchhalten. Bei etwa einer Million Festbesucher pro Tag findet man immer Gäste für eine Taxifahrt. Und so war es dann auch. Am Freitag bin ich bis morgens um 3 Uhr gefahren und habe nur deshalb aufgehört, weil ich schon über 90km auf dem Tacho hatte und einfach nicht mehr konnte. Am Samstag startete ich gegen 5 Uhr abends und die ersten drei, vier Stunden bin ich nur im Regen rumgegurkt, was nicht sehr spassig war, doch immerhin etwas Geld in die Kasse brachte. Danach hörte der Regen auf, doch die Abkühlung reduzierte scheinbar auch etwas die Lust auf Rikscha fahren. Es war etwas schwieriger um Gäste zu finden als in der lauen Freitagnacht. Bis morgens um 2 Uhr war ich unterwegs. Am Sonntag wollte ich eigentlich zuhause bleiben, da ich doch ziemlich Schmerzen in den Knie hatte (ich hätte am Samstag Knielinge tragen sollen, das nasse und kühle Wetter hat mir zusammen mit der hohen Belastung doch zugesetzt). Doch das Wetter war gut und Karin motivierte mich, nochmals mein Glück zu versuchen. Das war dann ein ganz toller Tag. Eine ganz friedliche Stimmung, viele Menschen, doch nicht so voll wie an den Tagen zuvor, viele Familien mit Kindern, alles ganz easy. Ich war 5 Stunden unterwegs und konnte noch manche schöne Fahrt machen. Alles in allem, ein sehr schönes und lohnendes Wochenende. Schade, dass das Zürich-Fäscht nur alle 3 Jahre stattfindet. Von mir aus könnte das jedes Jahr sein.
Aus dem privaten Bereich zu erzählen ist noch, dass es unsere zwei "neuen" Katzen ganz toll finden, dass ich so viel zuhause bin. Ich bin auch ganz verschossen in die Zwei und geniesse ihre Gegenwart. Die sind einfach zum Anbeissen!

Mittwoch, 8. Juni 2016
Velotaxi - eine Illusion?
Unser kleines Rikschaunternehmen findet nun mal draussen satt und deshalb ist es normal, dass wir vom Wetter abhängig sind. 2016 ist bisher das wohl schlechteste erste Halbjahr, welches ich bisher erlebte. Das Wetter zeigte sich sehr wechselhaft und bisher gab es noch keine länger anhaltende Schönwetterphase. Auch fast sämtliche Feiertage wie Ostern, Sechseläuten, 1. Mai oder Pfingsten waren regnerisch und kühl. Das lässt Kunden von Rundfahrten oder die Einlöser von Gutscheinen zögern und zuwarten.
Es erstaunt deshalb nicht, dass alle bisherigen Zahlen deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen. Egal ob Einsatztage, Präsenzzeit in der Stadt, eingelöste Gutscheine, Anzahl Stadtrundfahrten, Hochzeiten, Geburtstagsfahrten oder auch Taxifahrten. Alles läuft dieses Jahr schlechter. Und bei saisonalen Angeboten ist absehbar, dass man die "Verluste" der ersten Saisonhälfte auch mit einer super zweiten Hälfte nicht mehr wettmachen kann. Denn soviel ist klar: Auch bei einem perfekten Sommer und Herbst kann ich nicht viel mehr fahren (bewältigen) als im letzten Jahr. Das heisst, das Potential um aufholen zu können ist sehr klein. So sind die Fakten derzeit.
Anlass für diesen Blogeintrag ist jedoch die grundsätzliche Idee "Velotaxi". Damit meine ich die Idee, Leute spontan für eine kurzen Taxifahrt von A nach B zu finden und damit einen echten Einkommensbeitrag zu erzielen. Das ist nämlich die Grundlage für zusätzliche Fahrer, die sich gerne als Rikschafahrer ein Einkommen generieren möchten. Solange ich selbst die Kapazität habe, fahre ich alle vorgebuchten Fahrten selbst ab, das heisst, zusätzliche Fahrer müssen sich auf Taxifahrten konzentrieren.
Seit 2012 versuchten sich 5 oder 6 Personen als Rikschafahrer, doch alle haben nach ein paar Tagen, oder maximal ein paar Wochen, wieder aufgegeben. Nur 2014 gab es einen jungen Deutschen, der 3 Monate (Juli-September) durchgehalten hat und nach seinen Angaben auch davon leben konnte. Alle anderen scheiterten realtiv rasch. Es scheint also, dass tagsüber schlicht kein Markt für ein Velotaxi vorhanden ist. Zu gut und günstig ist das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln und viele (kurze) Distanzen lassen sich einfach zu Fuss (oder mit dem eigenen Velo) zurücklegen. Hinzu kommen noch die mentalen Barrieren wie "der arme Fahrer", "ich möchte mich nicht exponieren" oder "das ist vermutlich zu teuer".
Mein Geschäftspartner, Arjun, erarbeitet sein Einkommen fast ausschliesslich mit Taxifahrten. Sein Geschäft spielt sich aber nachts ab. Meist ist er Donnerstags, Freitags und Samstags von 23:00 Uhr bis 07:00 Uhr unterwegs. Nach seiner Aussage läuft das Geschäft meist erst ab 01:30 Uhr richtig, wenn die öffentlichen Verkehrsmittel ihren Dienst einstellen und noch viel Party-Volk unterwegs ist. Fazit: Nachts (an Ausgehtagen) scheint ein Velotaxi zu funktionieren, tagsüber wohl eher nicht. Um zu diesen Zeiten zu arbeiten, muss man jedoch ein ganz bestimmter Typ Mensch sein und man darf keine Berührungsängste mit Betrunkenen und unter Drogen stehenden Menschen haben.
In den letzten Tagen/Wochen/Monaten reifte langsam wirklich die Erkenntnis, dass dies tagsüber nicht funktioniert. Ich verbrachte Stunden an stark frequentierten Lagen und lauerte (meist erfolglos) auf Taxi-Kunden. Nüchternes Resultat: Im Schnitt alle 1,5 Std. ein Fahrgast, durchschnittlicher Verdienst ca. Fr. 15, was dann also Fr. 10/Std. macht. Brotlos!
Natürlich könnte ich vieles besser machen. So spreche ich die Leute kaum an, biete keine Show und versuche auch nicht Leute zu einer Fahrt zu überreden. Extrovertiertere Persönlichkeiten könnten dadurch bestimmt mehr Erfolg erzielen, doch ob es so zu 3 oder 4 x mehr Gästen reichen würde? Brutto 30 bis 40 Fr./Std. sollte es ja schon sein. Schwierig...
Dieses Jahr bringe ich noch so zu Ende und hoffe, die Bilanz noch etwas aufzuhellen. Doch für nächstes Jahr muss ich mir Alternativen überlegen. Finanziell wird es sehr eng und da muss ich mir eine bessere Zukunftsperspektive erarbeiten. Die ganze Sache ist also kein Selbstläufer, der sich auf befriedigendem Niveau eingependelt hat sondern es ist eher so, dass in wettermässig guten Jahren ein befriedigendes Resultat erzielt werden kann, wenn dies aber ausbleibt -so wie dieses Jahr-, wird es kritisch.
Freitag, 3. Juni 2016
Moonmen Riser Bar
Der neue Titanlenker ist hier eingetroffen und nach ein paar Tagen streicheln auf dem Schreibtisch wurde er nun an das KISH angebaut.
Auf der ersten Testfahrt war ich natürlich überrascht, wie aufrecht ich nun sitze. Na ja, wirklich überrascht war ich nicht, denn das war ja der Sinn der Sache und wenn der Lenker, respektive die Griffposition, nun plötzlich 8cm höher ist, so merkt man das schon ganz gewaltig. Hinzu kommt, dass der Lenker auch etwas breiter ist als der alte (vorher 66cm, nun 74cm). Das ist ein echtes Geweih!
Ich sitze nun also aufrechter und mit dem breiteren Lenker hat man noch mehr Kontrolle, das heisst, das Lenken fällt noch einfacher (weil der Hebel grösser ist). Ich musste die Position etwas varieren, bis der Auflagedruck der Hände gleichmässig verteilt wurde. Zuerst war der Lenker etwas zu weit vorne und somit zeigten die Lenkerenden leicht nach oben, was nach etwa einer Stunde fahren zu leichten Taubheitsgefühlen an dem Handballen und den kleinen Fingern führte. Also drehte ich den Lenker weiter nach hinten und jetzt sollte es passen.
Sehr angenehm ist die nun gute Aussicht, ohne dass ich den Kopf heben muss. Durch die aufrechte Position und die Lenkerbreite fängt man aber auch mehr Wind. Gleichzeitig kann ich freier atmen und das Ganze ist einfach viel entspannter als zuvor. Natürlich merke ich berghoch, dass ich mehr Kraft aus den Beinen bringen muss, da die ganze Körperspannung geringer ist als bei einer sportlicheren Sitzposition.
Mir gefällt der Lenker und ich denke die ganze Umbauaktion ist ein eigentlicher Erfolg. Trotzdem bin ich etwas wehmütig, denn das einst so sportliche KISH ist nun zu einem Altherrenrad umgebaut worden. Schutzbleche, festinstalliertes Licht, aufrechte Sitzposition... alles etwas für alternde Männer...
Donnerstag, 19. Mai 2016
KISH-Umbau
Die Überlegungen zu einer nächsten Veloreise haben mich nicht losgelassen. Da eine solche Reise voraussichtlich in den Wintermonaten stattfinden wird, habe ich mir überlegt, wie ich das KISH winterfest, respektive schlechtwettertauglich machen kann.Ob es mir gefällt oder nicht, Schutzbleche müssen ran. Wenn es im warmen Sommer regnet ist es nur nass, aber nicht kalt. Im Winter wird nass+kalt schnell zum Spasskiller und zum Gesundheitsrisiko. Also, auch wenn mir Schutzbleche nicht gefallen, die müssen hin!
Im Winter sind die Tage kurz und oft auch düster, also braucht es eine sinnvolle Beleuchtung am Rad. Ich plane zwar jede Nacht im Hotel zu übernachten und da könnte ich jeweils auch die vorhandene Akku-Beleuchtung wieder aufladen, doch eine fest montierte Beleuchtung ist sicher einfacher. Zudem hat die LED-Technik in den letzten Jahren enorm Vortschritte gemacht und zusammen mit einem Nabendynamo kann man eine ausgezeichnete Beleuchtung bauen. Man könnte sogar drüber nachdenken, damit unterwegs das Handy oder das GPS zu laden. Alles machbar. Ich entschied mich für nur Licht. Keine Ladegeräte.
Im Winter werde ich vermutlich mehr Gepäck (Kleider) mitführen, also kann ein weiterer Gepäckträger an der Front (für sog. Lowrider-Taschen) nicht verkehrt sein. Eine gleichmässige Gepäckverteilung (vorne und hinten) verbessert zudem die Fahreigenschaften.
Soweit das "Notwendige"... und so sieht das KISH jetzt aus:

Wer mich aber etwas kennt weiss, dass ich beim Thema Velo (und vor allem beim KISH) auch gerne mal etwas unvernünftig bin. Da gönne ich mir schon einmal etwas Luxus. Die Geschichte geht so:
Man wird ja auch nicht jünger und der tiefliegende Lenker bietet zwar eine gute Kraftübertragung, die Sitzposition ist dadurch aber ziemlich sportlich und vornüber gebeugt. Mit dem KISH will ich jedoch nicht (mehr) unbedingt Sport treiben, sondern genussvoll radfahren. Da kann eine höhere Lenkerposition deutlich dazu beitragen. Man sitzt aufrechter und sieht dadurch auch mehr ohne den Nacken zu verspannen. Um das zu erreichen gibt es nun mehrere Möglichkeiten.
Die günstigste Variante wäre eine Ahead-Set-Verlängerung um den Vorbau weiter oben montieren zu können. (Ich finde die Dinger höchst unschön und eher ein Gebastel, also ausgeschieden). Die zweite Variante wäre eine neue Vorderrad-Gabel, an dem das Steuerrohr noch genügend lang ist um entsprechend viel Spacer unter dem Vorbau einzubauen. Damit könnte ich auch einen Nachteil der aktuellen Gabel beheben, die nämlich keine Gewindeösen für die Montage eines Frontträgers hat. Eigentlich eine gute Idee und die Internetrecherche ergab auch, dass es durchaus ansehnliche und bezahlbare Lösungen gibt... Hmmm... aber ich hänge doch irgendwie an der aktuell verbauten Salsa-Starrgabel. Die gefällt mir sehr gut, war in Italien mit dabei und überhaupt... ich kann mich irgendwie nicht wirklich davon trennen.
Bleibt noch Variante drei: Man baut einen Lenker an, der stark nach oben gebogen ist, einen sogenannten Riser-Bar. Üblich sind im MTB-Bereich Lenker mit einer Aufwärtsbiegung von bis zu 3cm. Im Trekking-Bereich findet man Lenker mit bis zu 5cm Erhöhung und im BMX-Bereich sogar Lenker bis 7 oder 8cm. Ich habe sicher über hundert verschiedene Lenker im Internet angesehen.... dann stiess ich zufällig im MTB-Forum auf einen interessanten Link. In USA baut ein Typ Titanlenker auf Mass und nach Kundenwunsch, sprich: genau so, wie man sich einen Lenker wünscht. Aus Titan! Wie schon der Rahmen, die Sattelstütze und der Vorbau... der Preis: astronomisch!
Ich begann mit dem Amerikaner hin und her emails auszutauschen und irgendwann war ich fällig. Ja, das will ich! Nun biegt und schweisst also in Amerika ein Typ Titanrohre, damit ich dann genau den Lenker kriege, den ich mir vorstelle. Ende nächster Woche sollte dieser Lenker dann hier eintreffen. Ich freue mich! Ich finde das eine tolle Geschichte und ich glaube auch, dass mich dieser Lenker, genauso wie das KISH an sich, noch sehr lange erfreuen wird.